Verkehrswende Tulln - Klosterneuburg

Petition: Verkehrsberuhigung

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Kinder sind die verletzlichsten VerkehrsteilnehmerInnen. Doch gerade jener Weg, den sie mit Abstand am öftesten zurücklegen – der Weg in die Schule oder zum Kindergarten – ist vielerorts gefährlich. Deshalb haben wir eine bezirksweite Petition gestartet, um das zu ändern.

Vorbildhaft: Einrichtung von Schulstraßen

IMG 20210311 171544 8kVor rund drei Jahren wurde dank des Engagements der Radlobby und des Elternvereins die Plenkerstraße vor der Volksschule Waidhofen an der Ybbs zur Schulstraße erklärt. Seither heißt es dort an Schultagen zwischen 7.30 und 8.00 Uhr „Einfahrt verboten, ausgenommen Radfahrer“ – ein enormes Plus für die Sicherheit der Kinder. Den AnrainerInnen ist es gestattet, in der Früh mit dem Auto wegzufahren. Ganz in der Nähe wurde eine Elternhaltestelle eingerichtet.

Im Sommer 2020 erhielten auch die Volksschule, NMS und die Polytechnische Schule Sta. Christiana in Wiener Neustadt eine Schulstraße. An Schultagen gilt von 07.30 bis 08.15 Uhr und von 11.30 bis 13.00 Uhr ein Fahrverbot auf der Wiener Straße zwischen Giltschwert- und Kaiserbrunngasse. Ausgenommen davon sind RadfahrerInnen, AnrainerInnen und die Zufahrt zu Arztpraxen. Knapp außerhalb der Schulstraße wurden an beiden Seiten jeweils rund 12 Meter Parkfläche zu Elternhaltestellen (Halteverbot ausgenommen Ein- und Aussteigen) umfunktioniert.

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 In Wien wurden bereits sechs Schulstraßen verordnet: 1020, Vereinsgasse; 1090, Gilgegasse; 1110, Fuchsröhrenstraße; 1120, Deckergasse; 1120, Rothenburgstraße und zuletzt, Anfang März 2021, vor der Ganztagsvolksschule Wichtelgasse im 17. Bezirk. „Wir haben keinen richtigen Schulvorplatz, es ist sehr gefährlich, denn viele Eltern wollen die Kinder bis direkt vor das Schultor bringen und dann herrscht Verkehrschaos“, erklärte Direktorin Heidi Novy die Situation vor Einrichtung der Schulstraße gegenüber der Wiener Bezirkszeitung. Nun lässt es sich weit sicherer zur Schule gehen und radeln.

Weitere Informationen zu Wiener Schulstraßen

Fotos: Radlobby Waidhofen an der Ybbs

Verkehrsberuhigung im Detail

In der Straßenverkehrsordnung (StVO) sind Kinder ausdrücklich vom Vertrauensgrundsatz ausgenommen. StraßenbenützerInnen dürfen daher nicht darauf vertrauen, dass Kinder die maßgeblichen Rechtsvorschriften befolgen und müssen ihr Fahrverhalten entsprechend anpassen (Reduktion der Geschwindigkeit). Leider ist dies nicht immer der Fall.

Zur Erhöhung der Verkehrssicherheit stehen eine Reihe an möglichen Maßnahmen zur Auswahl. Hier die wichtigsten:

• In Schulstraßen wird ein temporäres Fahrverbot vor Unterrichtsbeginn und oft auch nach Unterrichtsende verhängt. Das Radfahren bleibt erlaubt.

• In Fußgängerzonen herrscht allgemeines Fahrverbot. Ausnahmen für RadfahrerInnen, Kommunalfahrzeuge, Lieferverkehr u.ä. können verordnet werden.

• In Begegnungszonen gilt üblicherweise ein Tempolimit von 20 km/h. Alle Verkehrsteilnehmer dürfen den Straßenraum gleichberechtigt nutzen. Auch FußgängerInnen dürfen die Fahrbahn benutzen und dabei weder gefährdet noch behindet werden.

• In Wohnstraßen gilt Schrittgeschwindigkeit. Auch hier steht die Fahrbahn allen VerkehrsteilnehmerInnen zur Verfügung. Das Zu- und Abfahren mit Kraftfahrzeugen ist gestattet, nicht aber das Durchfahren.

• In Fahrradstraßen gilt Tempo 30. RadfahrerInnen dürfen auch nebeneinander fahren und nicht behindert werden. Das Zu- und Abfahren mit Kraftfahrzeugen ist gestattet, nicht aber das Durchfahren.

• Liegen Schulen oder Kindergärten an Hauptstraßen, sollten zumindest Tempobeschränkungen (Tempo 20 oder 30) erlassen werden – für die betreffende Straße oder als Zone.

Was Temporeduktion bringt

Als wichtigste Maßnahme zur Erhöhung der Sicherheit der Kinder ist die Reduktion des Tempos zu nennen.
Der Anhalteweg (= Reaktionsweg + Bremsweg) ist z.B. bei Tempo 30 weniger als halb so lang wie bei Tempo 50 (13,
3 Meter im Vergleich zu 27,7 Meter). Auch die bei einem Zusammenstoß umzuwandelnde Bewegungsenergie beträgt bei Tempo 30 nur etwa ein Drittel jener, die bei Tempo 50 ins Spiel kommt. Zudem werden bei langsameren Geschwindigkeiten die Details des Verkehrsraums von Fahrzeuglenkern besser erkannt.
In Summe bedeutet dies, dass ein geringeres Tempo die Gefahren bei potenziell gefährlichen Situationen deutlich senkt.

Kinder als VerkehrsteilnehmerInnen

In der Straßenverkehrsordnung gehören Kinder zum besonders geschützten Personenkreis, der vom Vertrauensgrundsatz ausgenommen ist (§3 StVO). StraßenbenützerInnen dürften daher nicht darauf vertrauen, dass Kinder die maßgeblichen Rechtsvorschriften befolgen.

In § 29a StVO ist zudem verankert, dass Kindern, die eine Fahrbahn erkennbar überqueren wollen – mit oder ohne vorhandenem Zebrastreifen – das unbehinderte und ungefährdete Überqueren der Fahrbahn zu ermöglichen ist. Kfz-LenkerInnen müssen dafür notfalls auch anhalten, egal ob die Kinder einzeln, in Gruppen oder in Begleitung Erwachsener unterwegs sind. Man spricht auch vom unsichtbaren Schutzweg”.

Klosterneuburg

In Klosterneuburg gibt es mehrere Schulstandorte bei denen die Verkehrssituation problematisch ist.

St. Andrä-Wördern

Durch das Ortszentrum von St. Andrä-Wördern verläuft die Greifensteinerstraße - eine viel befahrene Landesstraße auf der eine höchstzulässige Geschwindigkeit von 50 km/h erlaubt ist. Hier befindet sich das sogenannte „Schulviertel” von St. Andrä-Wördern, wo tagtäglich an die  600 Kinder eine der drei Schulen bzw. den Kindergarten besuchen.

Weidling

Die Volksschule Weidling liegt direkt an der stark befahrenen Hauptstraße. Der Gehsteig ist sehr schmal. Die Radroute führt im Abstand von etwa 100 Metern an der Schule vorbei. Da die Straße im Ortszentrum von Weidling sehr eng ist, sind bauliche Veränderungen jedoch kaum möglich. Völlig unverständlich ist, dass die Bemühungen der Stadtgemeinde Klosterneuburg für eine Tempo 30-Zone bislang vom Land Niederösterreich vereitelt wurden. Auch der Kindergarten Weidling liegt in unmittelbarer Nähe zur Engstelle.

Kritzendorf

Trotz des erfreulichen Umbaus des Gehsteiges gegenüber der öffentlichen Volksschule sowie in der Enge beim Mauerbacherhof im vergangenen Sommer ist die Fahrgeschwindigkeit des motorisierten Verkehrs im Bereich zwischen den beiden Engen sehr hoch für die örtlichen Verhältnisse. Oft sind es große LKWs, die auf dieser Strecke im erlaubten Tempo von 50 km/h durchfahren. Eine Herabsetzung des Tempolimits auf 30km/h wäre  in diesem Bereich der Landesstraße dringend nötig.

Sieghartskirchen

30 zone sieghartskirchenDie Volksschule Sieghartskirchen verfügt zwar über einen Busvorplatz, in unmittelbarer Nähe befindet sich jedoch eine Landesstraße auf der Tempo 50 gilt. Letztes Jahr hat eine Bürgerinitiative unterstützt vom Elternverein der Volksschule ein Ansuchen für eine 30er-Zone gestelt, welches aber nicht bewilligt wurde - mit der  Begründung, es gäbe ja den Busvorplatz.

Kierling

Die Volksschule Kierling liegt an der stark befahrenen B14. Obwohl der Gehsteig vor der Schule teilweise sehr schmal ist, gilt hier Tempo 50. Außerdem ist die Kierlingtalradroute ausgerechnet im Bereich der Schule unterbrochen. Eine Reduktion des Tempolimits auf 30 km/h sowie eine Anbindung der Schule mit einem baulich getrennten Radweg würde die Sicherheit der Kinder deutlich erhöhen.